#5für30 – auch mal gönnen können – Woche 1

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#5für30 – auch mal gönnen können – Woche 1

Die erste Woche Eine Woche ist nun schon vorbei. Bisher hat es grundsätzlich gut funktioniert mich günstig zu ernähren. Ich muss nicht hungern und es ist auch nicht so dass i ...

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Die erste Woche

Eine Woche ist nun schon vorbei.

Bisher hat es grundsätzlich gut funktioniert mich günstig zu ernähren. Ich muss nicht hungern und es ist auch nicht so dass ich jeden Tag das gleiche essen muss. Aber das Einkaufen macht keinen Spaß. Überhaupt keinen. Das Planen stört mich nicht. Nach günstigen Alternativen suchen, finde ich auch nicht schlimm. Aber etwas das mir schon nach einer Woche auf die Nerven geht, ist dass man tatsächlich jede einzelne Ausgabe überdenken muss. Wenn man keine ganz billigen Lebensmittel aus Getreide und Zucker kaufen kann, dann wird es einfach teurer. Es ist zwar trotzdem möglich sich so einigermaßen nach Paleo zu ernähren, aber wenn man dazu dann noch Sport macht, wird es schon schwieriger. Insbesondere wenn man nicht abnehmen möchte. Das alles lässt sich aber eigentlich noch ganz gut hinbekommen. Irgendwie.

Immer nur Reis

Immer nur Reis?

Am nervigsten ist die Tatsache, dass man sich eigentlich nie mal etwas schönes gönnen kann. Letzten Freitag gab es so ein Food Truck Festival in Hannover, ich kam beim Nachhauseweg daran vorbei. Eigentlich gab es dort nur Burger und Pulled Pork in allen erdenklichen Variationen und ein paar Desserts.(Ehrlicherweise gab es doch einiges an Auswahl, mein Paleohirn hat aber alles außer Burger und Pulled Pork ausgeblendet!) Es gab sogar Süßkartoffelpommes.  Auch Burger mit anständigem Fleisch und z.B. gedämpften Bao Brötchen hätte es gegeben, den hätte ich mir normalerweise einfach mal gegönnt.

Scheiß auf Paleo, das Brötchen ist gedämpft!!!

 

Hier seht ihr eine Collage vom Burger, den ich auch gerne gegessen hätte, danke dafür an Marcell, dem ihr unbedingt auf Instagram folgen solltet.

Sich auch mal was gönnen können

Wildschweinburger hätte ich auch essen können. Gegessen habe ich letzten Endes aber nichts. Obwohl ich ein bisschen Hunger hatte. Die Süßkartoffelpommes waren mit 3,50€ auch gar nicht mal so teuer. Also im Verhältnis zu den Burgern, die schlugen mit 6€-9€ Euro zu Buche, je nachdem welche Variante man gewählt hätte. Wahrscheinlich hätten die 3,50€ meine Situation auch nicht schwieriger gemacht. Ich dachte mir aber beim Schlendern über den kleinen Foodmarket, dass mir das ganze Essen, dass es dort gab, einfach das Geld nicht Wert war, wenn ich dafür später dann zurückstecken müsste. Samstag beim Einkaufen hatte ich z.B. auch eine Mango in der Hand, super gereift und aus sonst sehr ansehnlich. Im Angebot für 99 Cent. Ich habe auch die Mango liegen lassen. Ich dachte mir in dem Moment, dass so eine Mango einfach mal überhaupt nicht satt macht. So ist es mit vielen Dingen, die ich mir sonst einfach mal so gegönnt habe. Ein tolles Steak, 300 Gramm und dazu einen Alibisalat, vielleicht noch einen teuren Kaffee vom Barista oder ein leckeres Stück Kuchen vom Hipsterbäcker. Das habe ich nicht jeden Tag gemacht, aber bestimmt in irgendeiner Form jede Woche. Immer wenn ich mir mal irgendetwas gegönnt habe, dann habe ich nie wirklich darüber nachgedacht, obwohl ich sonst schon auch durchaus preisbewusst eingekauft habe.

Donut

Donut

Wieviel kostet das Gewissen?

Ich glaube wenn ich wirklich nur 150 Euro im Monat für Lebensmittel zu Verfügung hätte, ich wäre längst nicht so streng was Lebensmittel angeht wie in diesem Monat. Ich fürchte, auch mein Gewissen bei Fleisch wäre irgendwann käuflich. Sein wir mal ehrlich, vielleicht schmeckt so ein Stück Rind aus Weidehaltung oder so ein frei laufendes Biohuhn besser als das Pendant aus den gängigen Zuchtmethoden, aber schmecken tut auch das billige Stück Rindfleisch. Vielleicht ist das andere Stück Fleisch gesünder, aber wie so oft bei Genussmitteln steht die Gesundheit nicht unbedingt immer an erster Stelle. Wie schnell mir das egal wäre, kann ich ehrlich gesagt nicht einschätzen. Es gibt natürlich auch Möglichkeiten günstiger an tolles Fleisch zu kommen, dann aber meistens nur in größeren Mengen oder aus Zufall und Glück! Ein kleiner Tipp am Rande, nach Feiertagen die einen Bezug zu bestimmten Tieren haben, wie z.b. Ostern und Lämmer oder Weihnachten und Gänse gibt es oftmals danach die übriggebliebenen Tierprodukte sehr günstig zu kaufen! So habe ich z.b 2 Kilo Lamm für nicht mal 12 Euro im Rewe eine Woche nach Ostern bekommen. In guter Qualität aus Neuseeland. Das an diesem Preis dann auch nicht alles ganz koscher ist, ignoriere ich jetzt mal.

Sozialleben

Eine Sache die mein kleines Experiment nur sehr beschränkt zeigen kann, sind die Auswirkungen von Armut oder Hartz4 auf das soziale Leben. Klar, für mich ist dieses Experiment auch etwas schwieriger als gedacht, aber ich kann jederzeit raus aus dieser Geschichte. Für mich beschränkt es sich auf Ernährung und hat nur an wenigen Stellen Einfluss auf mein Sozialleben. Durch das vielseitige Feedback waren diese Auswirkungen bisher eher positiv. Für Menschen in Armut beschränkt sich dass ganze aber nicht nur auf die Ernährung. In eigentlich allen Situationen die mit Konsum zu tun haben, wird man ausgeschlossen, was bei einer Konsumgesellschaft wie unserer doch ziemlich ins Gewicht fällt. Für Millionen Menschen ist es Realität, immer am finanziellen Limit zu leben. Immer nur über die Runden zu kommen aber nie mal über die Stränge zu schlagen, dass kann entmutigend sein. YOLO. Über die Stränge Schlagen hat zur Folge, dass man sich in einer anderen Situation wieder Einschränken muss, noch mehr als sonst.  Nun könnte man auf die Idee kommen, es gibt viele Dinge die man auch ohne Geld machen kann, aber oftmals sind auch die immateriellen Erlebnisse mit materiellen Hürden versehen. Konsum ist natürlich auch nicht alles, aber eben viel, ein großer Teil unseres alltäglichen Lebens. Brot und Spiele. Davon, dass es anderen Menschen auf der Welt natürlich noch viel schlechter geht, fange ich jetzt gar nicht erst an.
Folgendes habe ich mich diese Woche schon öfter gefragt:

Wie kann es sein, dass eine Gesellschaft, in welcher der gemeinsame Konsum ein entscheidendes Merkmal des Zusammenlebens ist, die Schwächsten ganz bewusst davon fast vollständig ausschließt? 

Darf eine Solidargemeinschaft es zulassen, eine ganze Gesellschaftsschicht außen vor zu lassen. In einer Gesellschaft, in der die eigene Definition und wahrgenommene Identität fast vollständig in Verbindung mit Konsum steht, ist man da ohne Geld identitätslos?

Was meint ihr?

Dürfen wir das?

 

Hier gibt es den momentanen Zwischenstand des Experiments auf der Übersichtsseite.

image

Wie bereits angekündigt wird es nicht jeden Tag einen Bericht geben diese Woche, aber ich passe trotzdem die Übersichtsseite regelmässig an, gestern z.B. habe ich Cashews und Rosinen im Bahnhofslidl gekauft.

Hallo, ich bin Dennis. Ich mache hier so ziemlich alles auf dieser Seite, Schreiben, Fotografieren, Bloggen, Administrieren und auf Kommentare antworten. Mehr über mich gibts auf der ganzen Seite verteilt. Viele Grüße, Dennis

Kommentare ( 2 )

  1. ReplyAlex
    Für dich ist alles so kompliziert, weil du andere Lebernstandard hast, als Hartz IV. Du isst Paleo, du gehst weg, du willst Sport machen, in coole Bars gehen und zu Konzerten, du willst Süßkartoffelpommes. Hartz IV Menschen gewöhnen sich auch an ihre Sozialstatus. Sie machen kein Paleo, die essen normale Kartoffeln. Die trinken billig Bier / Korn , rauchen selbstgedrehte Zigaretten. Und soziales Leben - klar, gibt es, aber nicht in Hamburg in der Schanze in irgendwelchem Hipsterbar, sondern zu Hause mit Bier aus dem Supermarkt und Wein 0,99 euro pro Flasche. Oder in dem Raucherbar neben an, wo die Stammgäste sind. Das sind alle Vermutungen. Ich kenne das Hartz IV Universum nur aus Fernseher. Aber wenn du kein Paleo machen würdest, würdest du dich aus 150 euro gut ernähren können - reis, pasta, kartoffeln, tomaten, zwiebeln, cheap Fleisch usw...
    • ReplyDennis Holzberg
      Hi Alex, wie immer vielen Dank für deinen Kommentar! Du hast einige interessante Anmerkungen gemacht. Z.B. sagst du Hartz4 Empfänger gewöhnen sich an ihren Standart. Das ist wahrscheinlich richtig aber traurig. Es ist ja gerade mein Kritikpunkt das viele ALG2 Empfänger quasi vor den Fernseher getrieben werden. Du sagst, ohne Paleo würde ich mich gut ernähren können, das gut bezieht sich wahrscheinlich darauf, dass es ohne probleme Möglich wäre satt zu werden. Das ist jetzt gerade für mich schon schwieriger!!! Viele Grüße, Dennis

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