Die außergewöhnliche Geschichte meines ersten Laufes.

Die außergewöhnliche Geschichte meines ersten Laufes.

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Die außergewöhnliche Geschichte meines ersten Laufes.

Mein erster Lauf Ich lief meinen ersten 10k Lauf und das Ergebnis war so außergewöhnlich, dass ich es sogar in die Zeitung geschafft habe. Auf der Running Seite auf meiner kleinen ...

Mein erster Lauf

Ich lief meinen ersten 10k Lauf und das Ergebnis war so außergewöhnlich, dass ich es sogar in die Zeitung geschafft habe. Auf der Running Seite auf meiner kleinen Website habe ich schon mal davon erzählt, aber jetzt will ich ein bisschen ausführlicher werden. Jeder fängt irgendwann einmal klein an und die Geschichte meines ersten Laufes ist eine ganz besondere.

Eine verhängnisvolle Wette

Alles begann mit einer Wette auf einer Bowlingbahn im Jahre 2009. Ich wettete mit einer Freundin den Hildesheimer Wedekindlauf in unter eine Stunde fertig laufen zu können. Sie selber hatte diese große Leistung schon vollbracht. 10 Kilometer schienen für mich damals unendlich weit, aber mein Großmaul brachte mir damals diese Aufgabe ein. Ohne jemals zuvor wirklich gelaufen zu sein begann ich mit der Vorbereitung. Ich hatte so ca. 2-3 Monate Zeit um einigermaßen fit für den Wedekindlauf zu werden. Ich schreibe diese Geschichte jetzt auf, weil ich endlich den Zeitungsartikel über den Lauf wiedergefunden habe, in dem ich das ein oder andere mal erwähnt wurde. Außerdem bin ich gerade mitten in der Vorbereitung für meinen ersten Marathon und da passt ja so ein kleiner Rückblick ganz gut rein. Ich fing also damals an mit dem Training und quälte meinen Körper und besonders meine Beine und Füße. Ich bin mehrmals die Woche gelaufen. Anfangs bin ich nur ganz kurze Distanzen gelaufen, mit vielen Gehpausen. Kurz vor dem Lauf schaffte ich vielleicht 4-5k am Stück.

Der Lauf des Grauens

Ich machte wirklich alles mit was man so mitmachen kann bei der Laufvorbereitung. Achillessehnenreizung, Schienbeinkantensyndrom, Blasen an den Füßen und vom Runners High war ich weit entfernt. Aber ich quälte mich durch. Als ich dann am 26. April 2009 morgens in Hildesheim am Start stand, war ich alles andere als bereit. Aber ich habe mein Wort gehalten und bin losgelaufen.

Hildesheim Wedekind Lauf Dennis Holzberg 2009

Das Besenfahrad, der Lauf und Ich.

Was soll ich sagen, ich bin kolossal gescheitert. 1:16:30h habe ich letztendlich benötigt. Und damit meine Wette und eine Kiste Wein verloren. Zusätzlich bin ich auch noch Letzter geworden. Letzter von Allen. Es wurde fast schon abgebaut, da kam ich erst ins Ziel. Die letzten 30 Minuten des Laufes musste ich immer wieder Gehpausen einlegen. Irgendwann war dann auf einmal das Besenfahrrad hinter mir. Ich war der letzte. Hilfe. 20 Minuten lang dachte ich daran einfach aufzugeben. Ach egal, ich gehe nun einfach nach Hause. Ich könnte so tun als ob ich mir den Knöchel angestaucht habe. Da in dem Loch versinke ich einfach.

Die Frau auf dem Besenfahrrad hat mir damals gut zugeredet und mir Tipps gegeben. Ich lief den Lauf zuende. Mal joggend, mal gehend, aber ich kam ins Ziel. Das alleine war ja schon ein kleiner Erfolg aber auch ganz schön demütigend. Der dazugehörige Zeitungsartikel in der HiAZ am nächsten Tag setzte dem ganzen dann noch die Krone auf.

Direkt nachdem ich ins Ziel gekommen war, durstig und ziemlich fertig mit der Welt, kam gleich der Reporter von der Hildesheimer Allgemeinen auf mich zu und wollte mir fragen stellen. Darauf hatte ich ja mal gar keinen Bock. Ziemlich forsch wimmelte ich ihn ab. Aber meine liebenswürdigen Freunde beantworteten ihm dann gleich alle seine Fragen. Das gehörte wohl zum Wetteinsatz. Im ersten Absatz der Artikels über den Wedekindlaufes ging es damals gleich ganz großartig los:

Der Artikel des Grauens

„Die drei Erstplatzierten machten sich schon für die Siegerehrung bereit, da war Dennis Holzberg immer noch unterwegs.(…) Runde 40 Minuten nach dem Sieger Jan Bruns überquerte Dennis Holzberg nach einer Stunde und 16 Minuten schließlich die Ziellinie – letzter Platz“ (Thorsten Berner, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 29.April 2009)

Ganz oben könnt ihr das Bild sehen, dass neben dem Artikel in der Zeitung erschienen war. Letzter bin ich geworden und schon 3 mal wurde mein voller Name im Artikel erwähnt und es war gerade mal der erste Absatz beendet. Es ging dann aber auch mit mir weiter auf der Zeitungsseite. Erstmal erzählte der Journalist, dass ich keinen Bock auf ein Interview hatte, es sei mir wohl peinlich gewesen. Damit hatte er verdammt recht. Wie schon erwähnt, hatten meine Freunde aber bereitwillig Auskunft gegeben. Ich glaube sie haben es gut gemeint. Mir wäre es damals lieber gewesen, sie hätten mir ein Loch gebuddelt, in das ich mich hätte verkriechen können oder sie hätten mir eine Papiertüte bereitgehalten, die ich mir über den Kopf gezogen hätte. Sie erzählten Ihm dass ich noch nie an einem Volkslauf teilgenommen hätte und dass das einfach sensationell sei, dass ich bei dieser Hitze durchgehalten hätte. Laut Herrn Berner war dem nichts hinzuzufügen. Danach wurde ich dann direkt noch mit dem Sieger verglichen, ich war der Mann „der einfach ’nur‘ seinen inneren Schweinehund besiegen“ wollte. (Thorsten Berner, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 29.April 2009)
Danach ging es dann noch um ein paar andere Sieger und die Hitze beim Lauf. Es war wirklich sehr warm für April, heute liebe ich es in der Hitze zu laufen, damals war es die Hölle. Ganz am Ende dann kam der Artikel noch mal auf mich zu sprechen. Ich zitiere: „(…) Vielleicht überwindet der ein oder andere ja beim nächsten Mal seinen inneren Schweinehund. Wie das geht, weiß Dennis Holzberg.“(Thorsten Berner, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 29.April 2009)
Fünf mal wurde mein voller Name in dem Zeitungsartikel erwähnt. Einmal noch mein Vornahme. Juhu.

Mein ersten Lauf, Artikel Ende...

Nach dem Wettkampf: Spießrutenlauf!

Damals nach dem Lauf war ich echt erledigt aber anschließend haben wie alle noch Nachmittags gegrillt. Da war mir das ganze eigentlich nur ein bisschen peinlich. Auch die Telefonate mit Familie und Co. konnte ich ertragen. Natürlich half es mir gar nicht, dass mich alle mit so einem mitleidigen Blick angeschaut haben und gleichzeitig meinten, wie toll es doch gewesen sei, dass ich das geschafft habe. Wer den Schaden hat, hat für den Spot nicht zu sorgen.  Als dann der Zeitungsartikel am nächsten Tag erschienen war, verbreitete er sich natürlich wie ein Lauffeuer. Bevor ich wusste wie mir geschieht, hatte ich unzählige Gratulations E-Mails und SMS erhalten und stand kurz davor auszuwandern. Irgendwie habe ich damals versucht es mit Humor zu nehmen und immer das immer heruntergespielt, aber innerlich war mir das ganze so furchtbar unangenehm wie selten etwas anderes zuvor.
Als ich mir am Dienstag danach dann eine Insektenstichsalbe kaufte, mich hatte eine Wespe erwischt, erkannte mich sogar die Frau in der Apotheke und gab mir eine Magnesium-Probe. Wieder war ich auf der Suche nach einem Loch. Noch ein paar Tage später war ich im Rewe einkaufen und beim Bezahlen, an der Kasse, dem Einkaufswagen voller Junkfood, erkannte mich dann auch noch die Kassiererin.  Da hatte ich ja zum Glück gerade eine Papiertüte gekauft. Irgendwie ging das ganze auch vorbei. Meine Lauflust war aber erst mal dahin. Ich nahm danach dann auch noch ein bisschen was zu in dem Jahr aber beim nächsten Wedekindlauf war ich wieder dabei. Ich wurde nicht Letzter. 1:10h habe ich damals gebraucht, immerhin 6 Minuten schneller.

Es ist egal wie schnell man ist, man überrundet immer alle auf der Couch

Damals war mir das alles so unglaublich peinlich aber es war der kleine Anfang. Erst knapp 3 Jahre später bekam ich dann die Kurve und began mich zu verändern. Irgendwie gehört diese Anekdote heute dazu, und im Nachhinein ist das alles ziemlich lustig.
Heute, sieben Jahre später kann ich die 10 Kilometer ca. 33 Minuten schneller laufen als damals. Nach einem Lauf bin ich aber noch genauso erledigt. Ich hätte damals stolz auf mich sein sollen. Dazu war ich leider nicht in der Lage. Heute da bin ich es tatsächlich ein bisschen. Immerhin habe ich es ins Ziel geschafft, einige andere haben damals einfach aufgegeben. Alles was ich danach geschafft habe, macht mich natürlich heute mächtig Stolz aber es sind auch die kleinen Anfänge die dazu gehören auf dem Weg zu seinen Zielen.

Das Zeitungsbild auf dem ich zu sehen bin wurde von Thorsten Berner, Chris Gossmann aufgenommen.

Hallo, ich bin Dennis. Ich mache hier so ziemlich alles auf dieser Seite, Schreiben, Fotografieren, Bloggen, Administrieren und auf Kommentare antworten. Mehr über mich gibts auf der ganzen Seite verteilt. Viele Grüße, Dennis

Kommentar ( 1 )

  1. ReplyAlex
    Genau wie du sagst, du hättest damals so verdammt stolz auf dich sein sollen. Wenn ich im Stadion dicke Leute sehe (dicke Leute - ist das politically correct?), bin so happy für die, dass die es machen. Ich würde gerne zu denen gehen und gratulieren. Aber das wäre voll peinlich. Und es gibt auch die Leute, die lieber nichts machen, aus Befürchtung, sie werden total peinlich aussehen. P.S. Sonntag in Hamburg wird nicht die Hitze sein, aber es soll nicht regnen.

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