Meine Beine, die Datteln und Ich. Mein erster Marathon.
Die stolzen Finisher

Meine Beine, die Datteln und Ich. Mein erster Marathon.

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Meine Beine, die Datteln und Ich. Mein erster Marathon.

Ein Rennbericht vom Haspa Marathon Hamburg 2016 Nun sitze ich hier am Laptop und es ist tatsächlich so weit. Ich kann endlich meinen Blogpost über meinen ersten Marathon schreiben ...

Ein Rennbericht vom Haspa Marathon Hamburg 2016

Nun sitze ich hier am Laptop und es ist tatsächlich so weit. Ich kann endlich meinen Blogpost über meinen ersten Marathon schreiben. In den letzten Wochen habe ich immer wieder beim Laufen überlegt wie es wohl sein wird diesen Marathon zu laufen. Wie wird das Gefühl sein, über die Ziellinie zu schreiten. Was wirst du wohl so schreiben, wenn du danach auf deinem Blog darüber berichten wirst. Eines kann ich euch bereits jetzt schon sagen, es kam alles ganz anders als ich dachte.

Laufequipment

Laufequipment

Streckenübersicht

Streckenübersicht

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken.

Vor dem Start

Nach einer knapp halbjährigen Vorbereitungszeit stand ich dann am Start in Hamburg. Zusammen mit Katja, meiner besten Freundin. Sie ist schuld daran, das ich mich überhaupt auf dieses Abenteuer eingelassen habe. Wir standen im Startblock H, das war der Block für eine Zielzeit von 4h. Diese hatte ich damals beim Anmelden gewählt, ich hielt das für realistisch. Mein heimliches Ziel war es aber immer, meinen ersten Marathon in 3:30 zu laufen. Doppelt so viel Zeit wie ich für meine ersten Halbmarathon brauchen wollte. Den ersten Halbmarathon lief ich in 1:45:33. Mein Ziel war aber 1:45 und ich habe es nicht erreicht. Alle waren damals total happy über die Zeit, aber ich habe mich innerlich über die 33 Sekunden geärgert. Damals war einfach nicht mehr drin. Diesmal sollte das anders werden. 3:30h war das große Ziel und hatte hart dafür gearbeitet. Weit mehr als 1000 Kilometer war ich gelaufen dafür und ich wollte nicht wieder in so einer Situation sein, von allen auf die Schulter geklopft zu bekommen und selber nicht zufrieden zu sein.

 

Katja und ich am Start

Katja und ich am Start

Die erste Hälfte lief fast nach Plan!

Der Startschuss fiel und es ging los. Also für die Läufer vorne ging es los, unser Startblock wartete noch ein bisschen. Ich konnte die Startlinie auf die Sekunde genau 10 Minuten nach dem Startschuss überqueren. Die ersten 10k liefen wie auf Wolken. Ich war ein bisschen zu schnell aber nicht deutlich zu schnell. Eine Zeit von 48:35min für 10k war voll im soll. Ich lief schneller als fast alle andere Läufer um mich herum, was an meinem hinteren Startblock lag. Das Überholen hat Kraft gekostet. Die zweiten 10k lief ich in 47:11. Das war definitiv zu schnell. Aber zunächst hatte ich mich einfach etwas frei gelaufen, dass Feld war nun in die Länge gezogen und außerdem sah ich das erste Mal zwei Freunde aus Hildesheim die extra für den Marathon nach Hamburg gefahren waren um mich und Katja zu unterstützen. Kurz danach sah ich dann noch meinen Vater, der als Überraschung auch nach Hamburg gekommen war um mich anzufeuern. Das gibt einem automatisch Vortrieb.
Kilometer 16-17 lief ich in einer Zeit von 4:11. Viel zu schnell aber es hat riesig Laune gemacht und hat sich angefühlt wie fliegen. Die vielen Zuschauer an der Strecke z.B. rund um die Landungsbrücken peitschten einen zusätzlich an und jeder einzelne Zuschauer der meinen Namen rief, hat mir zusätzliche Kraft gegeben. Gerade bekomme ich wieder richtig Gänsehaut. Irgendwie lief ich dann tatsächlich den ersten Halbmarathon in 1:39:15, nur 7 Sekunden langsamer als mein schnellster Trainings-Halbmarathon im Dezember. Ab da versuchte ich mich zunächst zusammenzureißen und nicht mehr ganz so vorzupreschen.

Der Anfang der Schmerzen

Wenn ich meine Geschwindigkeitskurve anschaue, ging es ab Kilometer 25 kontinuierlich bergab. Und so hat es sich auch während des Rennens angefühlt. Ich hatte knapp mehr als die Hälfte der Strecke absolviert und meine Beine wurden schwer. Meine Puste war aber nach wie vor vorhanden, der Puls konstant irgendwo zwischen 165 und 172.. Der Mann mit dem Hammer war weit weg aber die Beine fingen an sich zu beschweren.

 

Geschwindigkeitskurve

Geschwindigkeitskurve

Die Datteln, die Elektrolyte und ich…

Ich hatte mich für Datteln als Rennversorgung entschieden. Ich wollte keine Chemie-Drinks und Gels benutzen. Im Training habe ich nur zwei mal so Gels versucht und nie irgendein Iso Getränk getrunken. Meine Schwester hatte mir extra einen Beutel aus Wachsstoff für die Datteln genäht, den ich an meiner Gürteltasche für mein Handy befestigt hatte.
Alle 2-3 Kilometer aß ich beim Lauf also zwei bis drei Datteln. Für die ersten Kilometer hatte ich eine Falsche mit Wasser befüllt dabei. Konsequent nahm ich jeden Getränke- und Verpflegungsstand mit. Ab Kilometer Fünf gab es alle 2,5 Kilometer abwechselnd nur Wasser oder eben Wasser, Bananen und Elektrolyte-Getränk. Später kamen noch Kohlenhydrat-Gels dazu. Eigentlich wollte ich darauf verzichten, die angemischte Plörre zu trinken, aber beim zweiten Getränkestand fiel mir gleich mein Wasserbecher herunter und ich konnte nur noch ein Iso-Getränk erwischen. Ich war erst bei Kilometer 7.5 und ich hatte schon alle Vorsätze über Bord geworfen. Ich trank weiterhin auch aus meiner kleinen 500ml Flasche ab zu einen Schluck und aß meine Datteln und an jedem Versorgungsstand auch ein oder zwei Stücken Banane. Ab da trank ich immer ein Wasser und ein Elektrolytgetränk oder 2 Wasser, wenn es kein Electrolyt-Getränk gab. Nach der Hälfte der Strecke kamen noch die Gels dazu. Davon habe ich jeweils immer ein oder zwei genommen und runtergewürgt.  Zwischen Banane und Wasser.

Winken

Dennis läuft

Das zweite Drittel –  jetzt tut es richtig weh!

Die Kilometer 20-25 gingen irgendwie so an mir vorbei. 24:30min brauchte ich für diese 5 Kilometer. Alles noch Top im Soll. Die nächsten 5 Kilometer dann wurden härter, die Beine schmerzten aber funktionierten noch wie sie sollen. Die Füße waren intakt und hatten zum Glück keine Probleme. 25:32 brauchte ich für die Kilometer 25-30 Kilometer. Es wurde eng aber meine GPS-Uhr zeigte mir an, dass ich mit diesem Tempo noch unter 3:30 bleiben würde. Ich hatte noch 1 Stunde 4 Minuten und 13 Sekunden Zeit für 12,2 Kilometer. Auf einen 5 Minuten pro Kilometer Schnitt waren das knapp 3 Minuten Puffer. Ich war zuversichtlich. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit sank aber immer weiter ab. Noch dazu hatte ich schon ca. 400 Meter mehr auf der GPS-Uhr als an den Streckenmarkierungen stand, dass versaute mir die Zielzeitberechnung auf der GPS Uhr.

Die Qual beginnt

Die nächsten 5 Kilometer der langsamste Abschnitt im ganzen Rennen. Ich brauchte 26 Minuten und 20 Sekunden. Ich konnte das Tempo nicht mehr halten und die Beine taten bei jedem Schritt unglaublich weh. Von Kilometer 35 bis 36 kam dann fast der entgültige Einbruch. Meine Beine machten dicht. Der rechte Oberschenkel links über dem Knie begann zu zucken und ich konnte so viel essen und trinken wie ich wollte, meine Beine wollten nicht mehr. Auch der Red Bull an Kilometer 36 hat nicht geholfen. Das war der Moment als ich auf meine GPS Uhr schaute und sie mir meine erwartet Zielzeit anzeigte. 3:32h. Langsamer als 3:30. Wenn ich so weiter lief dann würde ich es nicht schaffen. Ich musste wieder schneller werden. Noch ziemlich genau 33 Minuten für 6 Kilometer und 195 Meter hatte ich Zeit. Das kann ich laufen. Ich steigerte mich. Durch Anfersen und hohe Schritte versuchte ich meine Beine etwas zu lockern. Ohne Erfolg. Jetzt hieß es “ Zähne zusammen beißen“. Ich konnte meine Geschwindigkeit wieder etwas steigern. Die Ankunftszeit auf meiner Uhr wurde wieder weniger aber ich hatte ja noch die 500 Meter mehr auf der Uhr, die natürlich für die Ankunftszeit verfälschten. Zusätzlich konnte ich das nicht mehr wirklich ausrechnen.

Meine Oberschenkel tanzten.

Die letzten 4 Kilometer

Bei Kilometer 38 an der Streckenmarkierung, noch 4.2k. machten dann meine Beine noch mehr dicht. Das linke Bein kam dazu und immer wieder verkrampften meine Oberschenkel vorne und hinten für Sekundenbruchteile. Meine Oberschenkel tanzten. Egal!

„Nur noch 4 Kilometer. Wenn du jetzt nicht aufgibst, dann kannst du es schaffen. Du hast noch Luft. Dein Puls ist super. Jetzt lauf gefälligst. Nochmal um Haaresbreite am Ziel vorbei? Nicht mit mir. “

Ich biss die Zähne zusammen und lief so schnell es mir irgendwie möglich war. Ich glaube ich habe laut gejammert. An der Strecke wurde es immer voller. Immer mehr Menschen jubelten einem zu. Die 40 Kilometer Marke mit Zeitmessung war in Sicht. Sie zeigte genau 3:28:13h  an (- 10 min für mich, also 3:18:13).  Noch 11 Minuten und 47 Sekunden Zeit für mein Ziel.

„Das kannst du Dennis. Das hast du schon hunderte Male gemacht. “

Meinen Beinen ging es immer schlechter. Aus den Minuten zwischen den Verkrampfungen wurden Sekunden. Zum Glück nur vorne und oben an den Oberschenkeln. Den Waden ging es gut. Ich fing an diese Zieleuphorie zu spüren. Kilometer 41. Es waren noch ca. 6:30min Zeit für 1195 Meter.

Du musst einfach nur so weiter laufen.

Leichter gesagt als getan…

Das Ziel? Wo bleibt das Ziel?

Irgendwann war es soweit. Auf meiner GPS-Uhr hatte ich den Marathon geschafft, in 3:26.47. Tja warum ist am Ende des GPS immer noch so viel Strecke übrig? Es waren noch geschätzt 500 – 600 Meter bis ins Ziel.

„Wo zur Hölle ist das Ziel. Muss da nicht bald dieser rote Teppich kommen. Schaffte ich das nun oder nicht?“

Rechnen konnte ich nicht mehr. Und dann sah ich es. Das Ziel in Sichtweite. 3:37h Irgendwas stand da (3:27 also für mich). Es war noch knapp 300 Meter weg. Aber es war noch Zeit.

„Ich werde es schaffen. Du musst nur Laufen, dann schaffst du es.“

Der rote Teppich kam. Ich trat darauf und in dem Moment explodierten meine Beine förmlich. Alles verkrampfte sich. Beide Oberschenkel vorne und hinten komplett hart. Ein einziger Krampf. Egal. Gleich ist es geschafft. Rechts dann sah ich meinen Vater. Er stand neben dem Zieleinlauf und rief meinen Namen. Ich klatschte noch mal ab und lief so schnell ich konnte. Ich sah das Ziel näher kommen. Die Zieluhr sprang auf 3:39h (3:29h für mich) um. Fast war ich da. Ich würde es schaffen. Meine Hände ballte ich zu Siegerfäusten. Ich rannte über die Ziellinie.

Es war Ruhe.

Meine Beine waren sofort wieder krampffrei. Ich strauchelte etwas und spürte eine große Last von mir abfallen. Langsam ging ich weiter. Wir bekamen unsere Medalie. Wunderschön. Ich war so froh und erleichtert und gleichzeitig war ich unglaublich erschöpft und stolz. Nach wenigen Sekunden der Euphorie merkte ich meine Beine auch wieder. Die waren hinüber. Ganz egal. Es hatte sich gelohnt. Jeder verdammte Kilometer.

Nach dem Lauf

Nach dem Lauf und der Medaillenübergabe ging es dann erstmal in die Verpflegungshalle. Zum Glück hatte ich keine Krämpfe mehr, sondern nur Schmerzen und war natürlich total erschöpft. Durch die ganzen Dattel, Bananen und die Kohlenhydrathgels hatte ich überhaupt keinen Hunger. Ich habe dann erstmal was getrunken und mir die Menschen angeschaut die mit mir in der Halle waren. Alles stolze Finisher. Einige hatten sich hingelegt oder gesetzt. Das war keine Option für mich. Ich wäre nicht wieder hoch gekommen. So ging es dann auch dem ein oder anderen der wieder aufstehen wollte. Die meisten Läufer stürzten sich geradezu auf die Snacks und Kuchen die es gab. Ich habe aber nichts runter bekommen und blieb bei der Elektrolyteplörre, die in der Halle aber viel besser schmeckte als auf der Strecke. Anschließend kam dann auch Katja in einer fantastischen Zeit ins Ziel und mit Familien und Freunden feierten wir unsere Errungenschaften. Abends ging es dann früh ins Bett, müde und zufrieden.

                                       

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Sportliche Grüße, Dennis Holzberg

 

Rennanalyse

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Die stolzen Finisher

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Meine Medaille und Ich

Meine Medaille und Ich

 

Hallo, ich bin Dennis. Ich mache hier so ziemlich alles auf dieser Seite, Schreiben, Fotografieren, Bloggen, Administrieren und auf Kommentare antworten. Mehr über mich gibts auf der ganzen Seite verteilt. Viele Grüße, Dennis

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